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Neue Studie zur Strategie von Mischkonzernen

Mischkonzerne, die in mehr als einer Branche aktiv sind, haben unter Finanzinvestoren und Börsenhändlern zu Unrecht einen schlechten Ruf. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung.

Verfolgen Unternehmen eine Diversifikationsstrategie, wachsen mit der Anzahl der Geschäftsbereiche auch das Betriebsergebnis (EBIT) und die Marktkapitalisierung statistisch signifikant um fünf bzw. sieben Prozent. Beschränkten sich Firmen hingegen zunehmend aufs „Kerngeschäft“, büßen sie im Mittel entsprechend an Gewinn und Börsenwert ein. Das zeigt die Studie des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung und der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Blick auf die Strategie der amerikanischen Digitalriesen

„Die Strategie von Mischkonzernen kann wirtschaftlich sehr erfolgreich sein. Unternehmen, die sich auf verschiedenen Feldern aufstellen, reduzieren ihre Abhängigkeit von einer bestimmten Branchenkonjunktur und branchenspezifischen Risiken und vergrößern im besten Fall ihre Chance, auf Zukunftsmärkten vorne mit dabei zu sein“, resümieren die Studienautoren Dr. Sebastian Campagna und Prof. Dr. Marc Eulerich. Das unterstreiche auch die Strategie der amerikanischen Digitalriesen, betonen die beiden Ökonomen: Alphabet, Amazon & Co. entwickelten sich mit zunehmender Größe selber zu Mischkonzernen, die unterschiedliche Sparten wie Gesundheit, autonomes Fahren oder Versicherungsdienstleistungen integrieren und so weit über ihr ursprüngliches Geschäftsmodell hinaus gehen.

Für die Studie hat Marc Eulerich, Professor für Interne Revision an der Mercator School of Management der UDE, umfangreiche Geschäftsdaten von 403 Unternehmen ausgewertet, die zwischen 2009 und 2016 durchgängig im umfassendsten deutschen Börsenindex CDAX notiert waren.

Aufspaltung von Mischkonzernen als kritisch zu bewerten

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der aktuelle Mainstream in der Unternehmensführung keine solide Basis hat, wenn generell ‚fokussierte‘ Unternehmen favorisiert und Mischkonzerne grundsätzlich als Auslaufmodelle betrachtet werden“, betonen die Forscher. Besonders die Aufspaltung von Mischkonzernen ist dabei als kritisch zu bewerten. Hier müsse immer von Fall zu Fall geprüft werden, inwieweit der Wert des Mischkonzerns höher oder niedriger ist, als der Wert seiner Bestandteile. Oft seien solche Aufspaltungen mit Stellenstreichungen verbunden. In deutschen Unternehmen leiste die Mitbestimmung von Beschäftigten im Aufsichtsrat immerhin ein gewisses Gegengewicht.

Kein Freibrief für ungebremste Expansion

Auf Basis der neuen Forschungsbefunde könne man „aus betriebswirtschaftlichen Gründen ruhig für eine Diversifikationsstrategie plädieren“, schreiben Campagna und Eulerich. Das meinen die Experten natürlich nicht als Freibrief für ungebremste Expansion. „Mischkonzerne sollten sich auf jene Bereiche konzentrieren, in denen nachhaltig Perspektiven erkennbar sind und für die auch unterschiedliche Renditegrößen akzeptiert werden.“ Sei das gegeben, könne man das angebliche Auslauf- aber durchaus als Zukunftsmodell betrachten: „Das unternehmerische Risiko einer digitalen Zukunft voller wirtschaftlicher Herausforderungen können Unternehmen gerade mittels kluger Diversifizierung entsprechend streuen.“

(I.M.U. / UDE / STB Web)

Artikel vom 08.01.2019